FÜHRERSCHEIN MIT 17 JAHREN — EIN ERFOLGSMODELL?

ERWARTUNGSHALTUNG, CHANCEN UND TATSÄCHLICHER ERFOLG DES FRÜHZEITIGEN FÜHRERSCHEINERWERBS | DER UNFALLHELDEN-RATGEBER KLÄRT AUF

Was mit einem Modellversuch im Bundesland Niedersachen begann, ist spätestens durch bundeseinheitliche Regelung und Übernahme in Dauerrecht mit August 2010 Normalzustand geworden: das sogenannte Begleitete Fahren“.

Das Begleitete Fahren ermöglicht jüngeren Verkehrsteilnehmern, einen PKW auch vor Vollendung des achtzehnten Lebensjahres in Begleitung einer entsprechend qualifizierten Person im öffentlichen Straßenverkehr zu bewegen.

  • Was waren entscheidende Argumente, die zur Einführung des Begleiteten Fahrens geführt haben?

  • Hält das Modell was es verspricht? Kann das Begleitete Fahren als Erfolgsmodell bezeichnet werden?

Argumente für die Einführung des Begleiteten Fahrens

Hauptargument für die Einführung des Begleiteten Fahrens war, dass junge Verkehrsteilnehmer signifikant häufiger an Verkehrsunfällen beteiligt sind.

Zurückgeführt wird dies hauptsächlich auf mangelnde Fahrpraxis. Dies leuchtet ein: denn fesselt die technische Beherrschung des Fahrzeuges die Aufmerksamkeit des Fahrzeugführers, kann das Geschehen außerhalb der eigenen Karosserie schnell aus dem Blick geraten. Vorausschauendes Fahrverhalten, Antizipieren von Gefahrensituationen und richtiges Reagieren werden so bedeutend erschwert.

66.000

Verunglückte Verkehrsteilnehmer zwischen 18-24 Jahren (2015)

473

Getötete Verkehrsteilnehmer zwischen 18-24 Jahren (2015)

Hier soll das Begleitete Fahren ansetzen: dem jungen Verkehrsteilnehmer soll das Erproben der eigenen Fahrfähigkeiten in möglichst abgesicherter Umgebung ermöglicht werden.Begleitetes Fahren

Der Blick auf Unfallanalysen zeigt nämlich, dass das größte Gefahrenpotential zu Beginn des Allein-Fahrens besteht. Mit zunehmender praktischer Erfahrung des Fahrzeugführers verringert sich das Risiko eines Verkehrsunfalles jedoch dramatisch.

Aber  nicht nur technische Problemstellungen will man mithilfe des Begleiteten Fahrens in den Griff bekommen — auch Übertretungen der Verkehrsregeln wie das Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit oder das Führen eines Kraftfahrzeuges unter Alkohol- und Drogeneinfluss.

Häufig wird angeführt, dass durch die Begleitung eines erfahrenen Fahrzeugführers auch nach der praktischen Ausbildung in der Fahrschule Unterstützung in schwierigeren Situationen geleistet werden kann. Denn hat man der vormalige Führerscheinanwärter seine praktische Ausbildung beispielsweise zwischen Frühjahr und Sommer absolviert, könnte er durch herbstlichen Laub- oder winterlichen Schneefall überfordert sein. Ein Gefahrenpotential, auf das man mit dem Modell des Begleiteten Fahrens zu reagieren versucht.

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Karolin S.
Karolin S.UNFALLHELDEN-Kundin

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Soheyl K.
Soheyl K.UNFALLHELDEN-Kunde

Wie wird das Begleitete Fahren angenommen?

Das Begleitete Fahren erfreut sich konstanter und zunehmender Beliebtheit. Gerade in nicht-städtischen Gebieten, in denen die Dichte an Fahrzeugen pro Haushalt und Person höher ist, wählt ein Großteil der Führerscheinanwärter das Modell des Begleiteten Fahrens. So entschied sich unlängst jeder Dritte Führerscheinanwärter für das Begleitete Fahren.

Dennoch muss das Begleitete Fahren nach wie vor gesondert beantragt werden — insbesondere wird dabei die Eignung der Begleitpersonen geprüft. Sind diese nämlich selbst durch bestimmte Regelübertretungen im Straßenverkehr auffällig geworden, gelten sie in der Regel als ungeeignet zur Anleitung eines Fahranfängers.

Der Führerscheinerwerb mit 18 Jahren bleibt auch aus Perspektive des Gesetzgebers der Regelfall.

Kann das Modell die Erwartungshaltung erfüllen?

Wie oben geschildert, erhofft man sich vom Begleiteten Fahren vor allem die Senkung der Anzahl durch jüngere Verkehrsteilnehmer verursachter Verkehrsunfälle. Außerdem wird erwartet, dass Absolventen des „Begleiteten Fahrens“ weniger häufig Auffälligkeiten in Bezug auf verkehrsrechtliche Regelübertretungen zeigen. Beides müsste sich empirisch bemerkbar machen.

Tatsächlich sind nach Auskunft der Verkehrswacht Absolventen des damaligen Pilotprojektes in Niedersachsen („BF17-ler“) mit einer 30% geringeren Wahrscheinlichkeit Verursacher von Verkehrsunfällen. Im direkten Vergleich zu anderen Führerscheinerwerbern begingen sie außerdem in 20% weniger Fällen verkehrsrechtliche Regelübertretungen.

Fazit

Das Begleitete Fahren kann also das Risiko auf Seiten junger und unerfahrenerer Verkehrsteilnehmer senken, Verursacher eines Verkehrsunfalles zu sein. Da „BF17-ler“ nachweislich weniger häufig anderweitig auffällig werden, kann dem Modell zudem eine positive erzieherische Wirkung attestiert werden.

Problematisch ist, was der Vollständigkeit halber erwähnt sei, dass der Erfolg des Modells im Einzelfall letztlich an der Qualität der Begleitpersonen hängt. Im Vergleich zur praktischen Ausbildung in der Fahrschule, ist diese nämlich nicht durch einheitliche Qualifikationsverfahren abgesichert. Lediglich keine Auffälligkeiten gezeigt zu haben, lässt nicht zwangsläufig auf positive „Begleiter-Qualitäten“ schließen. Zwar müssen Begleiter seit längerem Zeitraum im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis sein, was eine gewisse praktische Fahrerfahrung impliziert. Auf tatsächliche praktische Fahrerfahrung kann daraus allerdings nicht geschlossen werden. Denkbar wäre, Begleiter einer zusätzlichen theoretischen Unterweisung zu unterziehen um das Bewusstsein für die ihnen obliegende Verantwortung zu schaffen.

Alle hier skizzierten Einwände ändern jedoch nichts an der Tatsache, dass Begleitetes Fahren die bislang effektivste Maßnahme zur Reduktion von durch junge Verkehrsteilnehmer verursachten Verkehrsunfällen darstellt.

Mithin kann das Begleitete Fahren mit Fug und Recht als „Erfolgsmodell“ bezeichnet werden.

Allzeit Gute Fahrt wünschen die UNFALLHELDEN!